Bereits ist der Level I. Kurs 2010 wieder Geschichte
Die Teilnahme an der Nordic Rifle Championship haben wir schon länger ins Auge gefasst. Die Brüder Thomas und Michael Frei konnten aus beruflichen Gründen leider nicht teilnehmen und Patrick Bieri wurde eine Woche vor dem Match krank. Patrick hat es sehr geärgert, dass er auf diese Teilnahme verzichten musste! So reisten Peter Kressibucher und ich zusammen in den hohen Norden, ein paar Kilometer entfernt der russischen Grenze an zwei Orte namens Kuovola und Hamina.
Die Anreise
Die Abreise ab Zürich gestaltete sich einfach. Da wir einiges an Reserve einplanten konnten wir noch am Flughafen frühstücken. Der Flug nach Helsinki dauert etwas über 3 Stunden und verlief ruhig. In Helsinki nahmen wir dann auch wieder unsere Gewehre und das Gepäck in Empfang und holten den Mietwagen. Wir fuhren direkt nach Kuovola um unsere Munition abzuholen und das Zeroing durchzuführen. Auf der 300 Meter Anlage taten wir dies zusammen mit der IPSC Delegation der Spanier aus Teneriffa! Einer dieser Schützen kam direkt von einem Sniper Wettkampf ca. 400 km nördlicher von Kuovola. Er schoss die NRM mit einem M14 mit ZF im Kaliber 308.
Nach dem einschiessen fuhren wir wieder nach Hamina, welches ca. 1 Stunde südlich lag. Die Navigation übernahm übrigens mein iPhone, welches schon in Norwegen hervorragende Dienste leistete. Apropos iPhone, die Ziele dieses Matches lagen zwischen 5 und rund 300 Meter. Nachdem wir die V0 unserer Munition ermittelten, berechneten wir sämtliche Flugbahnabweichungen, inklusive Einbezug Wetterdaten mit einem Ballistic Kalkulator auf dem iPhone, was wiederum perfekt funktionierte.
Bei der Faktormessung jedoch waren Peter und ich über die Resultate erstaunt. Mein 18 Zoll Lauf erreichte einen Faktor von 163 und Peter mit dem 16 Zöller noch 153. Mindestfaktor Minor ist 150. Die Munition kauften wir vor Ort. Ein Kollege, Isto Hyyrylainen, den wir an der Rifle EM2009 kennen lernten organisierte uns freundlicherweise S&B 55 Grains lose Schüttungen. Dies war dieselbe Laborierung die wir an der EM schossen. Aus den Walther Matchläufen unserer AR's war sie sehr präzise und zuverlässig. Erstaunlicherweise schossen einige Norweger Wolf Munition oder andere .223 er mit Stahlhülsen.
Der Wettkampf
Am nächsten Tag startet der Match. Wir trafen Morgens um 0715 in Hamina ein, machten die Waffenkontrolle und das einschreiben und fuhren dann zum Stage # 7. Stage 7 war eigentlich nichts Besonderes. Zwei Fenster, ein paar Scheiben und Stahlplatten sowie einen Schwinger auf 150 Meter. Vor den Fenster standen mit Sand gefüllte Fässer. Der Schwinger war sicher heikel. Wenn man eine Schwingergeschwindigkeit von 5 m/s animmt, eine V0 von 900 m/s dann benötigt das Geschoss rund 0.16 Sekunden bis es am Schwinger ist. Der Schwinger bewegt sich in dieser Zeit um rund 83 cm. Also nichts mit aufs Delta oder Charlie halten sondern eine halbe Scheibe Vorhalt geben. Wir hatten beide alle Treffer auf dem Schwinger. Aus einer Position habe ich durch meine Optik jedoch das Fass nicht gesehen, welches sich dann in einem Mike widerspiegelt. Bewusst wurde mir dies erst, als ich auf eine Stahlplatte schoss und 15 Meter rechts den Einschlag im Kugelfang feststellte… Das war das Learning dieses Tages und dies bereits nach dem ersten Stage.
Die weitern Stages waren sehr verschiedener Natur. Im Unterschied zur EM war dieses Match jedoch viel Anspruchsvoller. Speziell die ungewohnten Positionen machten uns zu schaffen. 300 Meter sitzend oder ab Barrikade kniend. Auch waren wir mit den 4 fach Vergrösserungen am Anschlag. Auf 300 Meter lässt sich nicht mehr sicher ein Alpha schiessen. Was mit einer 6 oder 8 fachen Vergrösserung möglich ist.
Am zweiten Tag in Hamina war ein Stage besonders herausstechend. Die Distanz dieses Stages war 150 Meter. Zwei Platten standen auf 130 Meter. Die Herausforderung lag aber in einer Doppelscheibe, welche mit ca. 30 km/h über die Ebene donnerte. Dies entsprach 8.3 m/s was wiederum einem Vorhalt von ca. 1.4 Meter entsprach. Hinzu kam, dass diese Scheiben zwar ca. 4 Sekunden sichtbar aber infolge Hardcovers nur 2.5 Sekunden beschiessbar waren. Nebenbei lösten sie noch einen Schwinger auf 150 Meter aus, welchen Peter in der Hektik gegen die Zeit prompt vergass. Die drei letzten Scheiben auf 150 Meter stehend oder ab Barrikade waren dann eigentlich nicht mehr erwähnenswert.
Überhaupt liessen sich die Finnen auf jedem Stage etwas einfallen, entweder ein Stage in einer engen Box mit 3 Fenstern und fast 270 Grad Schusswinkeln oder ein Speedy in 5 Sekunden auf 5 Scheiben. Das Match war sehr originell und das Machbare wurde aus den Schiessanlagen der beiden Ranges geholt. Wie in Norwegen muss man sich auch hier mit dem Auto von Stage zu Stage verschieben. Zu Fuss geht nichts.
Restaurants und Bars sind Mangelware beziehungsweise nicht vorhanden. Hamina und Kuovola sind „out in the fields“.
Das Waffengesetz in Finnland ist noch ziemlich liberal. Aber wie in allen Ländern Europas wird auch da an der Schraube gedreht.
Besonders erwähnen möchte ich noch die Retourreise. Wir flogen über Copenhagen retour. Unser Gepäck kam natürlich erst wieder am nächsten Tag an, das passierte auch bei der Rückkehr von der EM. Aber in Copenhagen wurde mir von der Security die Munition aus der Tasche entfernt und ein Formular eingepackt, es handle sich um illegale Transporte. Peters Munition war bei der Ankunft jedoch noch vorhanden. Ich schrieb der Air1 ein E-Mail, wo ich auf die Tatsache hinwies, dass gemäss IATA 5 Kilo Munition erlaubt seien und mir der Transport von Waffen und Munition auch auf dem Ticket bestätigt wurde. Genau 18 Stunden später erhielt ich ein E- Mail von der Air1 das mir der Munitionspreis vergütet werde. Das war wieder einmal eine sehr positive Überraschung einer Airline seit Langem…
Besten Dank auch an Peter, der wie immer ein sehr guter Kamerad und Unterhalter war! Gerne wieder…
DVC and shoot straight and save! Thomas
Thomas Steiger / Zurich - Juli 2010

