Ein beeindruckends Erlebnis!
Um diese EM zu beschreiben gibt es nur ein Wort: Hammer!
Die erste Rifle EM in Europa überhaupt war ein gewaltiges Erlebnis. Von der lockersten Opening Ceremonie die ich je erlebte bis hin, dass man mit dem Auto von Stage zu Stage fahren musste. Die Stages lagen teilweise über 10 Kilometer aus einander! Aber von Anfang an.
Die EM begann ja bereits mit den Vorbereitungen. Leider gibt es in der Schweiz nicht mehr so viele Schiessanlagen, wo IPSC mit Gewehren geschossen werden kann. Und schon gar nicht in der Form wie es in Kongsberg auf die Schützen zukam. Ich konnte gerade mal ein Training mit ca. 300 Schuss bei den Obwaldnern absolvieren. Dies war vielleicht auch einer der Gründe, dass nicht viele Schützen aus der Schweiz teilnahmen. Alle Schweizer Teilnehmer, Patrick Bieri, Thomas Frey und ich bauten ihre Wettkampfaffen auf AR15 Basis auf. Dank Oli Josi bekam ich noch eine Woche vor der EM einen anständigen Wettkampftrigg
er. Das AR15 System dominierte an der EM alle Klassen. Es waren auch keine Piston driven Systeme zu sehen. Durch die höhere, bewegliche Masse setzt sich dieses Sytem wohl im IPSC nicht durch. Die Waffen der Standardklasse glichen sehr stark 300 Matchgewehren auf AR15 Basis. Mit Diopter und teilweise Ringkornen. Der grösste Teil der Standard Schützen nutzte jedoch ein Blockkorn. Von den Kompensatoren her sah man verschiedene Mehrkammer Komps. Das Surefire Prinzip mit zwei Kammern und unterschiedlich grossen, schräg angewickelten Bohrungen war auf vielen Läufen zu erkennen. In der offenen Klasse stellte sich die Frage der Optik, speziell in Bezug auf die Herausforderungen der unterschiedlichen Distanzen von 5 bis zu 300 Meter. Es waren alle
klassischen Lösungen zu sehen. Von zwei Optiken, auf der Rail ein ZF und schräg an- oder versetzt ein Dot. Es gab integrierte Lösungen mit einem Dot auf der Optik und dann die typischen Drückjagdrohre oder Tactical Scopes. Es gab auch Teilnehmer die nur mit Dots oder ZF's starteten. Diese hatten jedoch entweder auf kurze oder lange Distanzen einen Nachteil. Speziell die 12 cm Platten auf rund 300 Meter stellten einige Schützen vor Herausforderungen und der Munitionsverbrauch stieg massiv an. Mit der offenen Visierung oder nur einfacher Vergrösserung waren die Plates von blossem Auge bereits schwer zu identifizieren, geschweige dann zu treffen.
Die Anreise mit Waffen ist zumindest Zolltechnisch dank des Waffenpasses kein Problem mehr. Mehr Probleme bereitete der Transport mit der Swiss. Im Hinflug fehlte die Waffe von
Tom Frey und im Rückflug fehlten beide Waffen. Glücklicherweise wurden sie jeweils einen Tag später nachgeliefert. Patrick Bieri reiste mit dem Auto an und hatte hier weniger Probleme. Dafür nahm die Reise pro Weg fast 3 Tage in Anspruch.
Nachdem wir in Oslo landeten und mit unserem Mietwagen nach Kongsberg gefahren sind, konnten wir unser Hotel beziehen. Tom Frey und ich fuhren dann noch auf die Range ins Stats Office. Patrick hatte ein Zimmer in der Kaserne wie auch Marvin “Määhhh” Itani der als RO für eine Area verantwortlich war. Im Stats Office erhielten wir unser Dokumente und ich kaufte hier als gleich meine Muntion. Eine Sellier Bellot Laborierung mit einem 55 grains Geschoss. Hier waren auch die Pläne aufgehängt, wo auf dem riesigen Militärgelände die einzelnen Areas und Stages waren. Kongsberg ist eher ein ruhiges Örtchen. Die Kongsberg Industries gehört jedoch zu den grössten Industrie Konzernen des Nordens. Speziell zu besichtigen lohnt sich die alten Silbermienen und das Waffenmuseum. Hier kommen zum Beispiel auch Walfängerharpunen zum Vorschein. Eine eher fremde Jagdwaffe in unseren Breitengraden.
Am Sonntag fuhren wir auf die Range zum einschiessen der Waffen. Hier standen Targets von 25 bis 300 Meter. Ich schoss zusammen mit Jerry und Kay Miculek die Waffe ein. Sehr effektiv zeigte sich das Schiessen auf Steine, da es einen sofortigen Feedback gab und der Spotter gut über hoch/ tief , etc. ansprechen konnte. Nachdem wir auf 150 Meter zero waren und die Munition funktionierte war alles für den ersten Tag bereit.
Am Abend des Sonntags fand die Opening Ceremonie statt. Beim Opening standen dann aber alle Schweizer Schützen, mit neuem Emblem, wie aus dem Ei gepellt da. Die Opening Ceremonie war sehr speziell. Der Matchdirector begrüsste alle zur ersten Rifle EM, gab das Wort an Nick weiter, welcher auch nur kurz “Hi all! The Championships are opened” sagte und dann ging es zu Bier und Burger a Discretion über. Das Ganze war eine Sache von 5 Minuten, selbstverständlich ohne Bier und Burger. Das Leben in Norwegen ist übrigens ziemlich teuer. Ein Bier kostet locker 10 Franken und ein Abendessen mit Bier und Steaks ist eins zwei auf 85 Franken. 25 % macht alleine die Mehrwertsteuer aus.
Der erste Tag begann für uns mit einem 8 Schuss Stage auf relativ kurze Distanz. Dies machte uns nicht unglücklich, da wir so auch das Vertrauen in Material und Handling stärken konnten. Eine ganz heikle Sache waren die Sicherheitswinkel. Bei Verschiebungen mit dem Geweht gegen die schwache Seite konnte schnell ein Sicherheitswinkel verletzt werden, welches zu einer sofortigen DQ führten. Einige Schützen mussten dies bitter erfahren. Das ganze Match bestand aus 20 Stages. Die kurzen mit 8 Schuss und der längste, ein Jungle Line, mit 38. Unsere Squad bestand aus Italiener, Russen und Tom and Tom. Patrick war bei den Deutschen in der Squad. Die Russen war auch die Einzigen schützen, welche nicht AR's
nutzten. Was nutzen Sie dann? Was wohl? …. Falsch! Keine AK's. Einer ein SIG Swat und der Andere ein HK SL8. Aber beim Schussverhalten zeigte sich schon, dass die Pistondriven Systeme den klassischen “Bläser” unterlegen sind.
Die Stages glichen teilweise klassischen Stages mit Faustfeuerwaffen, einfach dass die Targets halt nicht nur 15 Meter sondern 150 Meter entfernt waren. Der Spreu trennte sich aber defintiv bei den 300 Meter Targets vom Weizen. Hier zeigte sich, dass unsere Militärausbildung einen Vorteil für das beschiessen von kleinen Zielen auf lange Distanzen mit sich bringt. Einige Positionen konnten liegend geschossen werden, andere aber wiederum wurden stehend schneller gemeistert als aufgelegt. Hier unterschied sich das Selbstvertrauen der Schützen.
Waffen und Kamerabruch
Als erstes gab meine Videokamera den Geist auf. Als ich einen Stage in einem Bunker filmte, war da plötzlich nur noch ein grauer Schleier. Für Tom Frey kam es aber noch schlimmer. Er hatte mit Störungen zu kämpfen. Wir entfernten den Gasblock im Hotelzimmer und er reinigte die Waffe gründlich, doch die Störungen waren immer noch da. Erstaunlicherweise kam bei jedem Schuss eine starke Rauchentwicklung aus dem Verschlussgehäuse und als wir den Fehler beim Testschiessen untersuchen wollten
passierte es. Die ganze Verriegelung wurde nach einem Schuss abgerissen. Das System wurde sozusagen zu einem Masseverschluss... da das Oberland AR so nur noch teurer Schrott war, konnte Tom mit meiner Waffe schiessen. Diese funktionierte einwandfrei, bis ich sie Tom gab. Und dann, dann störte das Teil nach jedem Schuss. Bevor ich an den Stage ging, nahm ich das Gewehr auseinander und siehe da. Im Abzug ist ein Spannfederbein über den Hammer geklemmt. Keine Ahnung wie so eine Störung passieren kann. Wir haben die Feder zurück gebogen und alles lief wieder wie geschmiert. Meine Lehre daraus: „you may have my wife, maybe my dog but my gun...NEVER”!
Die Closing Ceremonie war auch kurz und Bündig und da gab es dann Steaks in Rauhen Mengen und natürlich Bier...
Aus der Sicht aller Teilnehmer war diese EM absolut ein Erfolg, auch wenn erstaunlicherweise nicht sehr viele Schützen teilnahmen. Nächstes Jahr findet in Kongsberg ein Level III Rifle Match statt wo ich sicher wieder teilnehmen werde!
Die Ranglisten sind auf der offiziellen Seite ersichtlich. Patrick Bieri hat sich aber mit dem 18 Rang hervorragend geschlagen. Ich wurde 41 und Tom Frey 111. Insgesamt starteten
um die 300 Teilnehmer.
Zum Schluss möchte ich noch anbringen, keine Unterstützung durch den Verband vorhanden war. Nicht, dass keine finanzielle Unterstützung an dieTeilnehmer geht. Sondern es ging soweit, dass die Rechnung der Startgelder, die an den Verband ausgestellt wurde, nicht vom Verband bezahlt und dann von den schützen Rückgefordert wurde. Nein, Sie wurde an die Schützen weitergeleite um das selbst aufzuteilen. Das Durcheinander, wenn die Sollstellung an den Verband geht und dann einzelne Teilnehmer diese begleichen kann man sich ja vorstellen. Die Nationalmannschafts- Shirts wurden übrigens von Bettershooting.ch gesponsert. Es kann ja nicht sein, dass an einem
Titelwetttkampf die Schweiz das einzige Land ist, welches ohne Länderkennung daher kommt. Es wäre wünschenswert, wenn der Verband mehr Unterstützung in der Vorbereitung, eben z.B. Zahlungsprozess oder bestellen von Shirts, etc machen könnte. Dies würde vielleicht auch nochmals ein paar schützen motivierien auch wenn keine finanzielle Beteiligung erfolgt .
Das nächste, grössere Outdoor rifle Match ist gebucht!!!
DVC
Thomas
Thomas Steiger / Zurich - 3. August 2009 ![]()






